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Wer steckt hinter den Softwarepatenten?

Am 1. September entscheidet die EU über die Zukunft von 
Microsoft, Linux SCO - und der europäischen Wirtschaft.
In einem jüngst veröffentlichtem Interview meinte Bill 
Gates[0], die größte Schwäche von Linux sei nicht im 
technischen Bereich zu suchen - wo die Überlegenheit 
des Freien Betriebssystems ja weithin bekannt und 
unstrittig ist, sondern in der Tatsache, dass niemand 
Patente auf Linux angemeldet hätte, Linux also nicht an 
den in den USA inzwischen branchenüblichen 
Crosslicensing-Deals mitmachen könnte. Wenn hier 
zwischen zwei Großunternehmen Patentstreitigkeiten 
bestehen, werden die einfach so gelöst, dass jeder so 
weitermacht wie bisher und von nun an auch die Patente 
des anderen benutzen darf.


"Was Gates, der die Situation ansonsten sehr klar 
analysiert dabei verschweigt, ist was in diesem Spiel 
mit den kleineren geschieht", so Mag.iur. Georg Jakob, 
Vorsitzender des Vereins zur Förderung Freier 
Software[1]. "Die Grossen einigen sich in der Regel, ja. 
Aber die kleinen und mittleren werden gnadenlos in den 
Ruin getrieben und in Grund und Boden verklagt. Dabei 
wird nicht einmal davor zurückgeschreckt ganze 
Wirtschaftszweige nachhaltig zu ruinieren, wie der 
Dot-Com Crash zeigt. Deshalb schreibt in den USA auch - 
außer den Riesen wie Microsoft, Adobe und Konsorten - 
kein halbwegs vernünftiges Unternehmen mehr Software. 
Die kleinen Softwareschmieden in Indien und Europa 
profitieren bisher davon."
Der Entwurf über die nachträgliche Legalisierung von 
Software- und Ideenpatenten in Europa, über den das 
EU-Parlament am 1. September entscheiden wird, könnte 
europäische Unternehmen für immer dieses 
Standortvorteils berauben und auch hierzulande tausende 
IT-Arbeitsplätze kosten. Denn damit werden 
unüberwindbare Markteintrittsbarrieren für 
Jungunternehmer geschaffen und sämtliche KMUs schutzlos 
ins Haifischbecken der amerikanischen Multis geworfen. 
Die indische Wirtschaft dagegen wird weiter 
exponentiell wachsen.


Handelt es sich bei den jüngsten Vorgängen also um das  letzte Aufgebot des vom Aussterben bedrohten 
Dinosauriers Microsoft? Wenn man also nur ein paar  Fakten zusammenzählt ist die Lage so klar, dass kaum 
Fragen offenbleiben:


1. Bill Gates macht sich schon jetzt öffentlich Sorgen 
um die Zukunft von Linux - und bezieht sich dabei 
dezidiert auf Softwarepatente.


2. Schon seit längerem betrachtet Microsoft Linux als 
ernsthafte, gar einzige Bedrohung, gelegentlich auch "
als Krebsgeschwür".[2]


3. SCO reitet seit geraumer Zeit unbewiesene Angriffe 
gegen Linux, ein vorwiegend europäisches 
Betriebssystem, wobei insbesondere die Verletzung von 
Softwarepatenten behauptet wird.[3]


4. Microsoft ist führendes Mitglied der BSA[4][5] und 
hat - im Grunde gegen das geltende Recht - bereits 
eine ganze Latte von Softwarepatenten in Europa 
angemeldet.[6] Eine Suche beim Europäischen Patentamt 
weist über 5000 Funde auf.[7] Das bedeutet, dass 
Microsoft alleine an Anmeldegebühren runde 250 
Millionen Euro investiert hat.


5. Die BSA hat einen Richtlinienentwurf ins Europäische 
Parlament gedrückt[7], der diese Patente nachträglich 
legalisieren soll, obwohl diesem Entwurf alle 
relevanten Interessenvertreter - vom Deutschen 
Handelstag bis zur Österreichischen 
Wirtschaftskammer, für die der Vorsitzende Dr. 
Christoph Leitl persönlich eine ablehnende 
Stellungnahme abgab - äußerst kritisch 
gegenüberstehen. [8]


"Wenn dieser Entwurf in seiner gegenwärtigen Fassung 
also durchginge, so käme dies einem Skandal gleich, der 
die Funktionsfähigkeit der europäischen Demokratie 
ernsthaft in Frage stellt", so Jakob weiter. "Die 
Wirtschaftsvertreter sind hier aufgerufen, Farbe zu 
bekennen, und deutlich zu zeigen, ob sie im Zeitalter 
der Globalisierung und des Internet noch in der Lage 
sind, die Interessen der heimischen Unternehmer 
angemessen zu vertreten. 

Der FFS wird jedenfalls in den 
kommenden Wochen Experten nach Straßburg und Brüssel 
entsenden, um bis zum letzten Moment gegen den 
drohenden Patentwahnsinn zu intervenieren. 

Ein solches  Engagement erwarten die heimischen Unternehmer 
allerdings mit Recht auch von ihren gesetzlichen 
Interessenvertretern. Und von unserem Finanzminister 
wäre es interessant zu erfahren, wieviele von den 
Milliardengewinnen, die Microsoft hierzulande macht 
auch im Inland versteuert werden. Denn der wünscht sich 
ja bekanntermaßen eine Karriere als Führungskraft in 
Bill Gates' Imperium, wenn es seine politische Karriere 
mal vorbei sein sollte. [9]"
http://www.crn.com/sections/BreakingNews/dailyarchives.asp?ArticleID=43532
http://www.ffs.or.at
http://www.handelsblatt.com/hbiwwwangebot?fn=relhbi&sfn=buildhbi&CN=GoArt!200104,201197,615230&bt=0&SH=0&depot=0
http://www.pro-linux.de/news/2003/5778.html
http://www.bsa.org
http://www.microsoft.com/europe/antipiracy/german/useful.htm
http://swpat.ffii.org/players/microsoft/index.en.html
http://ep.espacenet.com/
http://www.ffs.or.at/presse/pm-20030728-long.txt
NEWS Nr. 37, 12. September 2002, S 53.


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